By Monika Savier, Anne Kurth, Claudia Fromm, Rita Eichelkraut, Ulrike Kreyssig, Andrea Simon

"Bilder von Jugendkulturen, die in Umlauf gesetzt werden, wirken auf Jugendliche zu ruck und pragen deren Selbstverstandnis. Die Bilder sind ferner strategischer Teil gesell schafdichen Kontrollhandelns gegen Jugend, sie bereiten Eingriffe vor, legitimieren, produ zieren sie" (Zinnecker 1981). Nun sollen auch wir diese Bilder malen - jugendliche Stilformen zur Ab grenzung von der Erwachsenenwelt, der Abrisskugel, dem Bauzaun in Brokdorf, den Kaufhausdedektiven und der ZDF-Hitparade. Es geht um tendencies zum Wi derstand, Devianz' und Militanz. Wir sollen vermarkten, indem wir die Nicht Vermarktbarkeit, die Abgrenzung der Jugendkulturen anpreisen, beschreiben (und selbst darauf, abfahren'). Kritik an allen Formen von Vermarktung ju gendlicher Stil-und Widerstandsformen ist angebracht. Doch unsere place ist anders als die vieler unserer Kollegen und Kollegin nen: Wir schreiben nicht uber, die Jugend', sondern uber Madchen bzw., so glauben wir, in ihrem Interesse und beziehen unsere eigenen Erfahrungen mit ein. Wir Frauen haben selbst als Madchen die frauenfeindlichen Zuge unserer damaligen Jugendsubkulturen, am eigenen Leibe' erfahren durfen. Wir erleben sie noch immer, taglich bei unserer Arbeit, von allen jugendlichen Kultgruppen mehr oder weniger dreist zur Schau gestellt. Denn bereits in der ausseren Pra sentation tragt guy, Chauvi-Stil'. Wir werden von den meisten Subkulturforschern eines Besseren belehrt: Das ist asthetische Kultur, kunstlerischer Ausdruck und politische Kreativitat - additionally diese Ketten, das schwarze Leder, varied phallussymbole, Messerhaarschnitt und der paramilitarische Kleidungsstil- vom personlichen verhalten der Jun gen an dieser Stelle ganz zu schweigen. Selbst das image der Hausbesetzersce ne ist das stilisierte biologische Zeichen fur Mannlichkei

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Parteiensysteme in postkommunistischen Gesellschaften Osteuropas

Dr. Dieter Segert ist Professor für Vergleichende Politikwissenschaft/Osteuropa an der Philosophischen Fakultät III am Institut für Politikwissenschaft der Humboldt-Universität Berlin. Dr. Richard Stöss ist Privatdozent am facebook Politische Wissenschaft und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin.

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Ist im Prinzip nichts Neues, doch heute fällt sie mehr auf, weil die Mädchen mehr fordern. Es gab noch nie genug Wohnraum für alleinstehende Mädchen oder junge Mütter, doch heute reagieren sie aktiv darauf. Auch die Gewalt gegen Mädchen und Frauen auf der Straße, in Kneipen oder Discotheken hat sich relativ gesehen nicht verschlimmert, nur - heute bestehen Mädchen eher darauf, auch allein das Haus zu verlassen. Es hat sich viel verändert im Bewußtsein und der Vorstellungskraft der Mädchen, wie und mit wem sie wo ihren Alltag verbringen möchten.

Tun sie es, werden sie für ihre ,Freizügigkeit' verachtet (die treibt es mit jedem). Welche Möglichkeiten bleiben da noch? "Die zwangsheterosexuelle Ordnung produziert die Spaltung der jungen Frauen in MÜlter und Huren. Der Unterscheidung zwischen Gut und Böse steht eine dritte Kategorie Fgenüber: ,Lesbianismus', ein Synonym rur die Gefahr, die von Frauenfreundschaften. Fraulnkultur und kollektivem Widerstand gegenüber patriarchalischer Kontrolle ausgeht. Lesbianismus umschließt auch das schlichte Zusammensein von Frauen oder das Alleinsein außerhalb von männlicher Kontrolle" (Griffin 1982).

Mit Mädchen, die sich ihrem Schutz entziehen - was auch den me~ sten Eltern relativ rasch auffällt - ,muß etwas nicht in Ordnung sein'. B. in Bezug auf ihre Körpersprache, übernehmen (müssen). Das wiederum setzt sie in Clique, Schule und Elternhaus zusätzlichen Diskriminierungen aus. Die neugewonnene Freiheit, auch im besetzten Haus, hat ihren Preis, denn auch wenn die Anforderungen an die Mädchenrollen in den einzelnen Subkulturen unterschiedlich sind und es hier und da so scheint, als seien die Grenzen weiter gesteckt, spiegeln sich dennoch Sexismus und patriarchale Strukturen auch dort wider: Die Jungen vertreten die Gesetze, wachen über die Sexualität der Mädchen und profitieren von deren reproduktiven Fähigkeiten.

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